„Lang lebe die Kiezkneipe“ / Frank Zander wirbt für Schultheiss – Nachtrag

Berlin, 17.10.13

Meine Kritik an FZ’s Schultheiss-Werbeaktion (s. Blog links) hat einen kleinen Sturm im Alt-Berliner Biersiphon (…den man übrigens aus rein kulturellen Gründen unbedingt wieder einführen sollte…) ausgelöst. Die meisten Leser (in den letzten drei Tagen etwa 2.500 Blog-Besucher) haben sich offenbar köstlich amüsiert – manche aber fühlten sich ganz kräftig auf die Füße getreten…

Es stellte sich jedoch recht schnell dabei heraus, dass die fußgeplätteten Leser wohl nur die ersten Sätze meines Blogs gelesen hatten – bis etwa zum Stichwort „Obdachlosenfütterung“. Und da war dann Schluss mit lustig!

Deshalb lege ich noch einen Nachschlag drauf in der Hoffnung, dass die gegen mich ausgesprochenen Morddrohungen bitte wieder zurückgezogen werden…

Punkt 1: Frank Zander hat sich durch die Schultheiss-Aktion aus meiner Sicht ähnlich selbst demontiert, wie z.B. damals Manfred Krug mit der T-Aktie. Derlei Aktionen sind nicht nur dumm, wenn man sich als hilfreichen und wohltägigen Altruisten verkaufen will, sondern führen auch dazu, dass jeder sich plötzlich verarscht und ausgenommen fühlt und alle denkbaren, positiven Motivationen in Frage stellt. So hat sich Manfred Krug z.B. nicht nur in den Augen seiner Ost-Fans von einem Freiheitskämpfer zu einem Pfennigfuchser und geldgeilen Immobilien- und Börsenhai gewandelt – was er meines Wissens übrigens auch tatsächlich ist und immer war (…hab‘ den nie gemocht).
Und FZ wird sehr vermutlich sehr bald vom Segenspender und Regenmacher zum Bierliefervertragsmakler mutieren. Und plötzlich werden viele sich fragen: Warum kümmert der sich nicht um den Hunger in Afrika? Klar: Damit kommt man nicht in die Springer-Presse! Und überhaupt: Das sind doch alles gar keine echten Obdachlosen – eine einzige PR für FZ’s Werbebude – usw.usw...

Punkt 2: Ein von mir sehr verehrter Kneipier, den ich u.a. in Sachen GEMA berate und der seinen Laden umbauen will, ist eben gerade in Verhandlungen mit seiner Brauerei (ich sage jetzt nicht, welche das ist,…is klar), weil er für den Umbau Geld braucht. Der Brauereivertreter hat ihn bereits derart gewaltig eingeseift, dass mein Freund inzwischen bereit ist, in Kürze einen Liefervertrag abzuschließen.
Ich möchte ihn aber um jeden Preis wieder davon abbringen, weil ich eben einfach weiß, was dann auf ihn zukommt. Er wird über 10, vielleicht 20 Jahre hinaus nicht mehr am freien Markt teilnehmen können und gezwungen sein, auf Gedeih und Verderb das Bier dieser Brauerei abzunehmen.
Egal was passiert…Wiedervereinigung, Euro, Anti-Rauchergesetze, Rauswurf vom Hauswirt (z.B. wegen Eigensuff…,äh -Bedarf), Hochwasser oder Kellerüberflutung, völlig egal: Die Bierabnahmemenge muss erfüllt werden! Komme, was wolle.
Und wenn kein Kunde die Plörre mehr trinken will? Kein Problem: Radeberger/Hultscheiss vertritt über 100 Biersorten – dann wechseln wir eben, machen ne neue Reklame außen dran und verlängern halt den Bierliefervertrag entsprechend…

Ich weiß nicht, ob das wirklich so schwer zu verstehen ist – aber wenn schon das Bundesministerium für Wirtschaft vor solchen Verträgen warnt (Knebelverträge), sollte man sich doch wirklich wenigstens einmal beraten lassen. Und sich den Zinssatz und die gesamten Einschränkungen und Verluste erklären lassen.
Ich könnte vor Wut zerspringen, wenn ich mit ansehen müsste, wie mein geliebter Kneipier einen solchen Vertrag unterschreibt!!!!!

Habt ihr das jetzt mitbekommen, ihr Feierabend- und Wochenend-Mordgesellen? Mir ging es nicht um das Obdachlosensouper (obwohl ich das selbst – wie z.B. auch Karl Lagerfeld - mindestens degoutant finde – igitt!) – mir ging’s um eine Werbekampagne für einen Bierkonzern mit Sitz in Frankfurt am Main, die als Werbeaktion für den Erhalt der Berliner Kiezkneipen getarnt ist.

Und all das passiert in einer Zeit, wo eine Volksabstimmung in Sachen eines anderen Knebelvertrages, der uns alle betrifft,  stattfindet:


Ich hoffe zutiefst, dass die gesamten Werbeaktionen von Vattenfall in diesem Falle einmal nicht zum Erfolg führen und eine Mehrheit der Berliner sich für die Stadtwerke entscheidet. Aber vielleicht spannt Vattenfall ja in den nächsten Tagen doch noch schnell mal ein paar Promis vor ihren Karren…

Franz de Bÿl


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