Plagiate, Plagiierer und Geplagte – von Hans Brunckhorst bis Cascada

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Berlin, 20.02.13
Geschäftsmodell: Das Plagiat

Vorweg: Ich möchte bereits jetzt öffentlich beantragen, dass zum Unwort dieses Jahres die Zeitgeist-Wortschöpfung „Geschäftsmodell“ erkoren werde – damit lässt sich nämlich wie mit keinem anderen Begriff noch das übelste und kriminellste Verhalten auf ein bloßes aber Erfolg versprechendes Kavaliersdelikt reduzieren. „Geschäftsmodell“ – das hört man heute auf allen Sendern, liest in allen Zeitschriften darüber und selbst im eigenen Hause, im eigenen Freundes- und Familienkreis, auf der Arbeit…überall!
Im Moment gerade: Geschäftsmodell: Pferdefleisch; Geschäftsmodell: Vatikan; Geschäftsmodell: Amazon…immer wenn eine Riesenschweinerei bekannt wird, heißt es "Geschäftsmodell".
Aktuell durch Madame Schavan und Mademoiselle (naja…)  Natalie Horler (Sängerin des ESC-Gewinners „Cascada“) ganz oben: Geschäftsmodell: Plagiat!

In einem meiner ersten Blogs habe ich ja schon mal über das „Geschäftsmodell“ des Ordentlichen Mitgliedes der GEMA Hans Brunckhorst berichtet (Link zum Blog). Da ging es darum, dass Herr Brunckhorst mit dem einfachen Abkupfern originaler Blues Songs und deren Verdeutschen oder „Bearbeiten“ zu erstaunlichem Reichtum im Staate GEMA gekommen ist. Wie er das gemacht hat, lässt sich u.a. so veranschaulichen: Man sucht als GEMA-Mitglied nach Hits und dauernd gespielten Stücken, macht eine so genannte „Bearbeitung“ oder einen verdeutschten Text und meldet dies an. Nehmen wir mal den Song „Key To The Highway“ von Big Bill Broonzy (den ich als 15-Jähriger anno 1965 zuerst von Sonny Terry und Brownie McGhee gehört habe) und schauen in der GEMA-Recherche nach:
Alles klar? Nun wird dieser Blues garantiert sehr häufig in deutschen Clubs gespielt (meist in der Version von Eric Clapton) – und die GEMA bekommt lauter Musikfolgen, auf denen dieser Titel dann vermerkt ist. Nur: In den wenigsten Fällen werden Musiker wissen, wer diesen Titel wirklich komponiert hat! Also geben sie nur den Titel an…
Wenn dann die GEMA die Verteilung in Deutschland bestimmt…, na, klingelt’s schon?..., wurde x-mal „Key To The Highway“ aufgeführt ohne Angabe der Original-Urheber. Was macht also die GEMA? Sie wird die entsprechenden Aufführungen vermutlich komplett ihrem ordentlichen Mitglied Hans Brunckhorst und dessen Verlag Rudolphon zuschreiben – ist viel weniger Arbeit und das Geld bleibt quasi im eigenen Haus und eigenen Land! Und das nennt man dann eben „Geschäftsmodell“!
Jeder schmückt sich einfach „Mit fremden Federn“ (…so der Titel der Bob Dylan-Verdeutschungs-CD von Sven Regener). Und am liebsten mit Werken ausländischer Provenienz – das fällt im In- und Ausland am wenigsten auf…
Dabei sind sich die jeweils landeseigenen Urheberrechts-Inkasso-Gesellschaften europa- und weltweit sogar ganz wunderbar einig - schließlich will keiner vom schönen Inkasso was abgeben und die gewaltigsten Abrechnungsbetrügereien - Tschuldigung: Geschäftsmodelle - lassen sich eben bei allen nicht genau definierten und überhaupt nicht angefertigten/eingereichten Programmfolgen machen.

Aber nach dem neuesten (bekannt gewordenen) Plagiatsfall in Sachen „Cascada – Glorious“ muss ich mich jetzt doch zu einer ganz kleinen Ehrenrettung für Herrn Brunckhorst herablassen. Er hat nämlich wenigstens überall seinen bürgerlichen Namen hinterlassen!! Und nicht versucht, seine Spuren dadurch zu verwischen, indem er seine „Bearbeitungen“ unter einem Pseudonym bei der Gema gemeldet hat - er hat nur das System GEMA für seine Zwecke genutzt - nicht gerade die feine Art, aber eben auch nicht verboten..., leider....
Und selbst Dieter Bohlen ist da auch noch „ehrlicher“ – er kauft Musikern eben einfach die Rechte für deren Kompositionsideen ab, bevor er sie als die eigenen bei der GEMA anmeldet…

Der Titel „Glorious“ von Cascada soll nun von dem ESC-Vorjahresgewinner-Song „Euphoria“ von Loreen abgekupfert sein, was mit Sicherheit richtig ist. Allerdings ist „Euphoria“ auch abgekupfert – von einem anderen Titel, der natürlich auch abgekupfert war von einem… usw.usw.
ALLE Songs dieser Machart können kein originäres Urheberrecht für sich in Anspruch nehmen – und für solche Songs gibt es längst unzählige Computer-Software mit Erfolgsgarantie.
Hier ist als alleinige Urheberschaft doch wohl nur die jeweilige Interpretation anzuerkennen! Eine „Komposition“ oder ein eigenständiger Liedtext ist in derartigen Liedchen absolut nicht auszumachen.
Aber genau das passt ja nun leider so gar nicht in das GEMA-System. Da können eben nur der Komponist und der Textdichter – und vor allem: der Verlag bedacht werden – nur nicht der Interpret!
Aus der obigen Wiki erfahren wir also, dass die „Komponisten“ von „Euphoria“ die Herren Thomas Gustafsson und Peter Boström (Verlag: Warner) seien. In der GEMA-Recherche finden wir zum Titel „Euphoria“ insgesamt 215 gelistete Werke
…aber keine einzige Anmeldung der oben genannten Herren:
Haben diese „Original-Urheber“ etwa ihren Welthit nicht bei der schwedischen "GEMA", der STIM  gemeldet? Kaum vorstellbar, oder? Dann sind diese genannten Herren entweder gar nicht die O-Komponisten oder sie haben unter Pseudonym angemeldet.
Ähnliches sehen wir bei „Cascada“ – da erhält man folgende Auskunft zu ihrem Titel „Glorious“:
· Cascada – „Glorious“ – Natalie Horler
· Die Band (Komponisten und Textdichter):
· Yann Peifer, Manuel Reuter, Andres Ballinas, Tony Cornelissen
Bei der GEMA sind unter „Glorious“ 382 Einträge verzeichnet
aber keiner zu Peifer, Reuter, Ballinas, Cornelissen:
Also sind auch diese genannten Herren entweder nicht die Komponisten oder sie haben unter Pseudonym angemeldet…

Alles klar? Der Plagiats-Vorwurf ist deshalb absoluter Quatsch! Man kann kein Plagiat vom Plagiat vom Plagiat…Periode…plagiieren!
Man kann auch Hans Brunckhorst oder Sven Regener keinen Plagiatsvorwurf machen – nur versuchten Diebstahl in Tätergemeinschaft mit der GEMA.
Bushido aber – diesem sauberen Integrations-Bambi können ohne Bedenken mehrfache und geschäftsmodellmäßige Plagiatsdelikte vorgeworfen und nachgewiesen werden – im krassen Unterschied zu Heino übrigens, dem völlig zu Unrecht Plagiatsvorwürfe bei seiner neuen CD gemacht wurden! Was für ein Unsinn!! Heino hat doch nie geklaut, sondern nur lauter erfolgreiche Titel gecovert und neu interpretiert! Keine „Bearbeitungen“ angemeldet oder die Originaltexte ins Deutsche übersetzt und auch nicht die Rechte der Original-Kompositionen erBohlent oder aufgekauft – kurz: Heino hat NUR interpretiert!
Die Original-Urheber können sich freuen, denn sie verdienen in seinem Falle die ganze Kohle…von der GEMA bekommt Heino nix!
Da ich inzwischen zu einem Riesen-Fan von Heino geworden bin, hoffe ich nur, dass er einen guten Interpreten-Vertrag hat! Ich bin auch ziemlich sicher, dass Heino selbst noch nicht einmal GEMA-Mitglied ist.

Wie auch immer – ein Plagiat ist und bleibt die „Anmaßung fremder geistiger Leistungen“. Und diese „Anmaßung“ kann nur stattfinden, wenn die Quelle, der eigentliche Urheber nicht genannt und auch sonst nicht entlohnt wird.
In diesem Zusammenhang ist mir selbst Bemerkenswertes passiert: Vor einiger Zeit erhalte ich die folgende Email von Herrn Bruno Kramm, Urheberrechtsbeauftragter der Piraten:

Lieber Franz,
Deine Schilderung ist ein Klassiker der Verlags/GEMA Deals der 80er. In einer Zeit, wo jeder annahm, das Künstler die LPs veröffentlichen GEMA Mitglieder wären und die Lizenz einfach gezahlt wurde, ohne nachzufragen.
Im Rahmen einer Evaluierung weiterer Verlagsdeals würde ich Deine Geschichte gerne weitertragen. Vielleicht können wir ja einmal miteinander telefonieren
Viele liebe Grüße

Bruno Kramm
Beauftragter Urheberrecht, Piratenpartei Deutschland Schloss Cottenau

Natürlich habe ich Bruno erlaubt, meine vielen GEMA-Blogs und alle darin enthaltenen Urschriften zu zitieren und ihm das in dieser Antwortmail auch mitgeteilt:
Danach habe ich aber nix mehr von Bruno gehört – außer, dass er ganz viele meiner geistigen Leistungen danach abkupfert und als seine Geistesblitze ausgibt – und das hatte ich ihm nicht erlaubt!
Lieber Bruno, du leidest wahrscheinlich auch längst unter einem schavan‘schen Minderwertigkeitskomplex. Oder gar unter einem guttenberg’schen Eitelkeitswichs – das passt aber leider nicht mit den Transparenz-Forderungen deiner Partei zusammen!

All diese Plagiierer hätten jedenfalls anyway ihren Doktortitel bekommen, Bushido hätte seine Erfolge gehabt usw. wenn sie alle einfach nur die Quellen angegeben hätten!!! Ja klar, aber sie müssten dann eben was abgeben, besser: zurückgeben - insbesondere die Ehre, dass sie nicht selbst auf diese Geistesschöpfungen gekommen sind. Und das schmerzt mehr als der finanzielle Verlust...
Also muss das Geschäftsmodell: Betrug, Diebstahl, ...wie hieß das doch gleich? Richtig! Plagiat! - herhalten, und schon hat man ein reines Gewissen!
Heino ist und bleibt eben einfach der Größte!!

Franz de Bÿl

Kommentare

steviesings hat gesagt…
Ich finde Heino auch cool! Aufrichtig und ehrlich....
Anonym hat gesagt…
Lieber Franz, herzlichen Dank für deine Aufmerksamkeit! Ich werde auch dieses Jahr wieder versuchen, mit dem "Key to the highway" reich zu werden - nachdem mir das die ganzen Jahre nicht geglückt ist, sollte es jetzt endlich mal klappen. Allerdings ist das mit 2 "Bearbeiterpunkten" + 3 "Verlagspunkten" sehr schwierig, weswegen ich es lieber mit Eigenkompositionen versuche (die natürlich alle geklaut sind). Vielleicht überlässt du mir mal paar deiner Stücke zur "Bearbeitung". Mir ist ja noch nie was Eigenes eingefallen - wie du herausgefunden hast. Also werde ich auch meine 30. EUROPATOUR wieder mit dem alten Kram bestreiten - zwar erfolgreich, weil die Leute denken, es sei alles von mir, aber ich bräuchte doch mal was Neues. Also was ist, hättest du paar gute Stücke in petto? Ich würde sogar deinen Namen in der Musikfolge angeben! Den "Key to the highway" hab ich, im Gegensatz zur dir (ich hab schon ewig nichts mehr tourmäßig von dir gelesen), noch immer, denn ich bin auch in meinem 73. Lebensjahr noch munter & kregel mit meinem BLUESMOBIL unterwegs. Viele Grüße von unterwegs schickt dir HANS BLUES & BOOGIE (Hans Brunckhorst)
Franz de Bÿl hat gesagt…
Mensch Hans! Du bist die Rettung! Na klar, gebe ich dir ein paar Stücke von mir - allerdings muss ich dir dringend davon abraten, diese auch wirklich spielen zu wollen. Die dürften nämlich samt und sonders deine spieltechnischen Möglichkeiten überfordern. Und außerdem stehen viele davon auf dem Index (Z.B. "Let's dope the Pope" - ich weiß auch nicht, wieso...) und dürfen nicht gespielt werden. Aber zum Anmelden auf den GEMA-Listen, ist ja ohnehin nicht von Belang, was tatsächlich gespielt wurde, das weißt du doch schließlich am allerbesten, nicht wahr...!! Tscha, und dann würdest du mir noch nicht einmal einen Gefallen damit tun, meine Stücke auf deine Titel-Listen zu setzen, sondern nur der Schultheiss-Brauerei - die haben nämlich u.a. auch mein GEMA-Konto wieder gepfändet.
Vielleicht liest du zwischendurch auch mal ein paar andere Blogs von mir...z.B. diesen:
FLÖZ vs. Radeberger - 22 Jahre nach dem "Putsch"