NDR-Gutachten in Sachen Cascada – kein Plagiat…?

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Berlin, 28.02.13
Geschäftsmodell: Das Plagiat, die Zweite
(Dieser Post ist meinem alten Freund und Kollegen Johannes Ehemann, Berlins bestem Gitarrenlehrer (nach mir natürlich, is klar..) gewidmet!

Nun hat es jeder schwarz auf weiß:

Der vom NDR beauftragte Gutachter – der Kollege Matthias Pogoda, …der seit 1992 unter anderem als Gerichtsgutachter und Berater tätig ist. Pogoda ist der Auffassung, dass im Notenbild der beiden Songs "keine auffälligen Ähnlichkeiten" zu finden seien, "im Gegenteil: das vokale Ideenwerk von 'Glorious' und 'Euphoria' ist deutlich verschieden" (SPIEGEL).

Aha, der gute Matthias hat die „Notenbilder“ verglichen!
Wie bescheuert ist das denn?
Welche Aussagekraft hat ein Kompositions-Gutachter, der seinen eigenen Ohren nicht traut????
Aber o.k.: „Euphoria“ ist in A-Dur und „Glorious“ in B-Dur (ein Halbton höher, das sieht im Noten“bild“ schon mal reichlich anders aus…). Die harmonische Progression und vor allem der Rumpelpop-Beat sind aber nun wirklich identisch! Es handelt sich wie eigentlich immer um einen so genannten 4 Chords Song.
Aber vergleichen wir selbst erst einmal:


Ich habe mir nun einmal erlaubt, „Glorious“ um einen Halbton herunter zu transponieren und die Pegel anzugleichen. Auf diese Weise kann auch jeder Kaspar Nullhorn die beiden „Kompositionen“ vergleichen:


Na und? Genau: Abgesehen von den leicht unterschiedlichen Intros und Interludes (in denen als 5. Harmonie lediglich nur noch die 2. Stufe, die "dorische" - in diesem Fall also H-Moll auftaucht) sind die Leadsheets nahezu identisch. Im Unterschied zum klassischen 4 Chords Song (1, 5, 6, 4 – Tonika, Quinte, parallele Moll-Tonart, Quarte) lediglich dadurch auffallend, weil die Reihenfolge revolutionär anders ist (1, 4, 6, 5 !!). War das vielleicht der Durchbruchsgrund für „Euphoria“??? Hmm…
Nein, nein, alles kalter Kaffee, nur schöner serviert – und in dieser Beziehung ist Loreens Version ja wohl deutlich der Vorzug zu geben, oder…(jaja, ich oute mich jetzt auch mal als Chauvi, ist doch völlig langweilig sonst…)?
Kommen wir aber mal wieder zurück zu Herrn Pogoda, der ein toller Gitarrist und ein echter Kumpel ist – aber leider als Gutachter…
So stellt er in seinem Gutachten u.a. fest:
 „Im Gegenteil: Das vokale Ideenwerk…“
Aber: Das „vokale Ideenwerk“ ist doch nichts anderes als eine Interpretation! Hier wurde zum x-ten Male EIN- und DERSELBE SONG wieder neu aufgelegt und neu interpretiert!
Sonst nix!
Aber so gesehen hat Kollege Matthias natürlich völlig recht, wenn er feststellt, dass es sich nicht um ein Plagiat von „Euphoria“ handelt.
Es handelt sich nur um das erneute Wiederkäuen alter Strukturen und Strategien. Wie gesagt: alles kalter Kaffee. Wenn „Glorious“ aber wirklich erfolgreich sein will, dürfte es nicht derart brachial – sondern müsste viel sexier und gefühlvoller rüberkommen.
Ich glaube deshalb nicht, dass „unser Song für Malmö“ das Rennen machen wird. Egal ob als Plagiat oder als kraft Gutachten sanktioniertes „Original“.

Oder hat jemand was anderes zu melden oder gar Lust, jetzt auch noch die unterschiedlichen Text"werke" zu untersuchen…? Vielleicht steckt darin ja das Geheimnis des Erfolges…?

Franz de Bÿl

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