FLÖZ vs. Radeberger - 22 Jahre nach dem "Putsch"

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Nichts ist so teuer wie kein Geld zu haben…
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Berlin, 27.12.12
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Hallo Welt, hier schreibt jemand, der fast 30 Jahre lang einen Jazz- , Blues- und Kabarett-Club allein betrieben und verantwortet hatte. Von April 1976 bis Dezember 2004 gab es diesen Club: das FLÖZ – ab 1985 unter alleiniger Führung dieses „Jemand“. Die damalige Gründung ist zudem ganz entscheidend auf ihn zurückzuführen und er gab dem Club auch den Namen „FLÖZ“: Der Musiker, Musiklehrer und: heutige, Unter-anderem-auch-Blogger Franz de Bÿl, der jetzt in der Ich-Form weiter schreibt.
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FdB im FLÖZ beim Dauertelefonieren
gezeichnet vom Sohn Bastian ca. 1995
Das FLÖZ hatte in West-Berlin eine enorm wichtige Rolle gespielt, die ziemlich exakt bis zur Wiedervereinigung andauerte (Nur ein Beispiel: Anthony Braxton Live At Flöz 1979). Danach ging’s kontinuierlich bergab. Es war trotz allen Einsatzes schließlich nicht mehr zu finanzieren, weil es eben nicht mit der Vielzahl der neuen „Clubs“ im Osten Berlins konkurrieren konnte. Dort wurden einfach ganze Häuser besetzt, um alle Arten von Clubs und Diskotheken aufzumachen. Und nichts musste bezahlt werden: Keine Mieten, keine Umsatzsteuern, keine GEMA, Berufsgenossenschaft, Künstlersozialkasse, überhaupt Sozialabgaben oder sonstige gewerbliche Pflichtversicherungen, natürlich auch keine Ausländersteuer usw.usw. Es gab keine Brauerei- oder Lieferantenverträge – man hat einfach das reimportierte Bier aus Polen beim Kreuzberger Türken in der Köpenicker Str. gekauft, im Laden für’n Appel-und’n-Ei-Kampfpreis weiterverkauft und sich den „Rohgewinn“ in die Taschen gesteckt. Dazu wurden dann auch noch massenhaft unverzollte Zigaretten unter’m Tresen gehandelt…und auch sonst noch so manches, was den Besitzer wechseln wollte (Rauschgift, Waffen, Frauen aus Rumänien, Ukraine…).
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Dagegen kam ich einfach nicht an – Ende 2004 musste ich deshalb meinem Hauswirt die Schlüssel und den Laden besenrein zurückgeben, Insolvenz beantragen und gebrochenen Herzens kniefällig Hartz IV in Anspruch nehmen.
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Wer jetzt glaubt, dass eine Privat-Insolvenz nach 7 Jahren ausgestanden sei, kann nicht wissen, dass ein Insolvenzverfahren nur dann durchgeführt wird, wenn alle Gläubiger sich damit einverstanden erklären. In meinem Fall hatten jedoch drei Parteien der Einleitung eines Insolvenzverfahrens widersprochen. Dabei war der wohl „witzigste“ mein damaliger Vermieter, der zu mir sagte: „Franz, wenn ich jetzt hier zustimme, kriege ich gar nichts mehr von dir. Dann warte ich lieber, bis du so ein bekannter Musiker geworden bist, wie es dir immer schon zustand – und dann stehe ich vor deiner Tür und kassiere die Mietschulden in voller Höhe…, hahaha. Habe schließlich 20 Jahre Zeit dafür...“! Nun muss man wissen, dass die Vermieter vom FLÖZ (in den 30 Jahren gab es mehrfach einen Hauswirtewechsel, weil das FLÖZ auch immer ein Spekulationsobjekt war) insgesamt weit über eine Million DM von mir kassiert hatten – meine Mietschulden betrugen zum Zeitpunkt meiner Kündigung weniger als 30.000 Euro, also etwa eine Jahresmiete - und um einiges weniger, als dieser "Kassenwart" von den Grünen Brandenburg hat mitgehen lassen...
Bei Schultheiss war es ähnlich. Da musste ich zusätzlich das teure Bier von Schultheiss abnehmen, statt wie alle Ossis auch beim Türken einzukaufen... - da gab es z.B. Warsteiner und viele andere Markenbiere für'n halben Preis. Und der Kredit von Schultheiss ist letzten Endes auch nur direkt ins FLÖZ geflossen - in Form von neuen Thermofenstern und anderen Einrichtungen.
Überhaupt hatte ich dem Vermieter eine Immobilie hinterlassen, die nicht mehr vergleichbar mit dem Laden war, den ich 1985 angemietet hatte. Insbesondere steckte im FLÖZ ein Umbau mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten mit der Förderungssumme von ger. 250.000 DM! Aber lassen wir das einmal beiseite, in diesem Blog geht es mir um die Schultheiss Brauerei, resp. die Radeberger Gruppe, der heute alles gehört. Und die hat mir nach ACHT Jahren kürzlich eine neue Pfändung aufgebrummt und so quasi einen Westberliner Griechen aus mir gemacht. Lesen Sie bitte selbst:
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Wegen einer Restschuld von nicht einmal 8 KiloEuronen. Also etwa einem Drittel weniger als einem Steinbrück-Honorar…
Deshalb habe ich folgenden Brief an Frau Müller geschrieben:
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Früher, in West-Berlin, gab es mit derlei Dingen überhaupt keine Probleme – da wurde geholfen, wem geholfen werden musste. Seit der Wiedervereinigung gibt es aber ganz offensichtlich nur noch Ossis, denen geholfen werden muss. Da wird auch noch nicht einmal ein Westberliner Gerichtsvollzieher befasst, sondern ein Mahlower! Etwa wegen dessen früherer Staatstreue oder sonstiger DDR-Zugehörigkeiten… - 22 Jahre nach dem Putsch? Zuständig wäre doch eindeutig ein Berliner GV gewesen!
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Naja, ist ja auch egal. Ich wollt’s nur gesagt haben…
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Jedenfalls ist nichts so teuer, wie kein Geld zu haben. Wenn man schon nicht zahlen kann, werden Säumnis-, Verspätungs-, Strafzulagen jeder Art verlangt (Bankgebühren, Inkassogebühren, RA- und Notars-Gebühren). Und das hat eben zur Folge, dass man schlicht gar nicht mehr aus den Schulden kommt. Eben weil sich die Miesen – sind sie erst einmal entstanden – in kürzester Zeit vervielfachen. Mich erinnert das regelmäßig an die Worte eines meiner damaligen Rechtsanwälte, mit dem ich eine Ratenzahlung vereinbart hatte, weil ich sein Honorar nicht auf einen Hieb bezahlen konnte. Als ich dann zeitweilig selbst die Raten nicht zahlen konnte, sagte der zu mir: „Franz, richte doch einfach einen Dauerauftrag bei deiner Bank ein, dann kommen die Raten wenigstens immer pünktlich…“. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass ich schlicht null Kohle habe, Cassa Blanca! – und konnte deshalb nur davon ausgehen, es wäre lediglich meine Schludrig- und Schusseligkeit…
Jedenfalls folgt auf eine Zahlungsunfähigkeit stets eine Kündigung und damit ist man nicht nur seiner gesamten Geschäftsgrundlage beraubt, sondern gleich seiner gesamten Existenz. Zumindest als allein Haftender, wie ich es ja war.
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Und wem nutzt das dann – oder wie der Lateiner sagt: Cui bono? Mir nicht. Und der Radeberger Gruppe…? Nutzt ihr denn diese Pfändung?
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Franz de Bÿl
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PS: Das FLÖZ stand nach meinem Rauswurf erst einmal ein Jahr leer. Dann zog eine kosovarische Truppe ein, die mächtig Alarm veranstaltete aber schon nach 5 Monaten (!) wieder am Ende war. Die dachten, mit Großbild-TV und Spielautomaten das Flöz betreiben zu können.
Danach stand das FLÖZ wieder monatelang leer, bis ein Schwulenpuff dort eröffnete. Da sollen dann auch die Wilmersdorfer Grünen und selbst Wowi Stammgast gewesen sein...
Der Vermieter hatte jetzt offenbar gedacht, dass er endlich wieder einen solventen Mieter usw.usw. - aber auch hier Pustekuchen. Selbst der Schwulenpuff hatte nicht genug abgeworfen. Aber: Immerhin fast vier Jahre geschafft. Das FLÖZ stand also wieder leer. Diesmal 1 1/2 Jahre - und dann...
wurde es wieder das, womit es auch angefangen hatte: "Black Corner", Teestube - heute: "Shisha Bar", Pfeifenstube. Ist klar, oder? Rauschgift! Und dieser Club wird zwar problemlos die Miete zahlen können, aber wie das Black Corner irgendwann auch wieder schließen müssen, wenn nämlich wie damals sich der erste im Klo einen golden Schuß gesetzt hat. Und dann wird der Vermieter wahrscheinlich wieder einen Musikclub für die nächsten 30 Jahre....?

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