Neue GEMA-Petition? Ja, nee, is' klar!

.
Berlin, 28.07.12

Es herrscht große Aufregung, die Disko-Szene hat in Gemeinschaft mit der Hotel- und GaststättenInnung eine Petition auf den Weg gebracht. Diese hat zwar laut eigener Aussage inzwischen über 260.000 „Unterstützer“, ist aber zur Vorlage vor dem Petitionsausschuss nicht zugelassen. Zu einer Vorlage sind nämlich nicht nur die Anzahl der erforderlichen Unterzeichner – sondern eben auch der INHALT einer Petition von entscheidender Bedeutung. Deshalb hier für alle, die sie noch nicht kennen, nochmal zum Nachlesen:
Im Internet und auch bei facebook wird diese von einem Rechtsanwalt Büttner verfasste „Petition“ jedoch ganz häufig verwechselt mit einer Petition, die eine gewisse Monika Bestle vom Kultwerk Sonthofen 2009 verfasst und ins Leben gerufen hatte, und die auch zugelassen wurde und sich bis heute in der „parlamentarischen Prüfung“ befindet. Diese Petition ist hier nachzulesen:
Während sich die Petition von Monika Bestle und ihrer Unterstützer (zu denen ich übrigens auch zähle) sehr inhaltlich mit dem GEMA-Apparat auseinandersetzt und klare Forderungen an die Politiker stellt, geht es der erstgenannten lediglich darum, dass die GEMA mit einer „Tarifreform“ eine ganz bestimmte Klientel benachteilige, nämlich die Diskotheken und Jahrmarktsbetreiber sowie vergleichbare Veranstalter, die jahrzehntelang bevorzugte Preise und Tarife genossen oder überhaupt nicht gezahlt hatten, weshalb jetzt zum Sturm geblasen werden müsse.
Also wird ein „Clubsterben“ an die Wand gemalt und sofort reagieren alle erwartungsgemäß in dem (rein gefühlsmäßig ja auch völlig berechtigten) GEMA-bedingten Reflex, Marke: Nieder mit der Schweine-GEMA!
Aber diese Petitions-Aktion stammt ihrem Rezept und Duktus nach aus der Love Parade-Küche eines Dr. Klamotte! Lasst euch deshalb jetzt nicht einmotten – ein Jahr nach Duisburg! In den Diskos wurde und wird auch weiterhin mit Musik gewaltig viel Geld verdient. Dr. Motte hatte die Love Parade z.B. als „politische Demonstration“ angemeldet - nur um Kosten zu sparen. Dr. Motte hat auch dafür gesorgt, dass die Diskos als „Clubs“  bezeichnet werden durften – was heute sogar gängiger Sprachgebrauch geworden ist. Warum? Um Kosten zu sparen, is‘ klar. Clubs jedoch sind und waren immer nur Live-Musik-Lokale für Jazz, Folk und Blues, Singer & Songwriter, Kabarett, usw.usw. – im weitesten Sinne Vereine eben. Diskotheken als „Clubs“ zu bezeichnen ist schon total daneben – aber dieser schräge Motte konnte die GEMA und die sonstigen Behörden offenbar jahrzehntelang überzeugen – und alle Disko-Paten haben natürlich mitgemacht…
Und: Diese „Umbenennung“ oder Anmaßung haben Dr. Motte und dessen Kollegen jahrzehntelang unglaublich günstige GEMA-Tarife beschert. Und den echten Clubs ungleich höhere. Und eine Art Freifahrtschein, nicht mehr als unmoralische „Diskothek“ gesellschaftlich geächtet sein zu müssen – mit all dem Dreck am Stecken in Sachen Rauschgiftdealerei und Prostitution, Geldwäsche und Waffengeschäften…
Kurz und gut: Die Diskos haben enorme Summen verdient und beiseite geschafft. Aber sie kriegen den Hals wohl immer noch nicht voll.
Nach der „politischen Demonstration“ und der Umbenennung in „Clubs“ wollen sie jetzt auch noch den „Petitionsstatus“ für sich in Anspruch nehmen. Als handele es sich bei diesen „Clubs“ um eine schützenswerte künstlerische Spezies und nicht um eine Mafia-ähnliche Organisation!
.
Alles nur Theater: Die Diskos werden diesen „Kampf“ verlieren, weil sie eine gewaltige Mehrheit gegen sich haben. Danach werden sie aber kuschen und programmgemäß die Preise deftig erhöhen und alles auf die böse GEMA schieben…usw.usw. bis sie dann eines schönen Tages hoffentlich selbst einmal von der Tanzfläche verschwinden. Wie ihr schönes Geld auch. Sehr ärgerlich für sie, weil Ibiza längst schon nicht mehr das ist, was es mal war, und sicher auch kein neuer Blödmann wie dieser Duisburger Handlungsreisende in Sachen Anabolika die „Love Parade“ noch mal kaufen würde (höchstens im Ausland…), und die Schweiz es einem leider auch nicht mehr so leicht macht wegen der dussligen Steuer-CDs…ach ja, man hat's schon schwer...
.
Dann rächt sich am Ende, dass die so genannten „DJs“ in ihrer Hybris, ja doch selbst auch GROSSE Urheber zu sein – und zwar mindestens so groß wie Beethoven oder die Beatles oder was, eben selbst in die GEMA eingetreten sind (...und sie wurden auch von der GEMA wärmstens empfangen) – einige davon sind inzwischen sogar „Ordentliche Mitglieder“, was heißt, dass sie später u.a. ihre Rente von der GEMA beziehen – was natürlich alles aus den Einnahmen der GEMA finanziert wird. Was aber auch bedeutet, dass sie als OM (nicht zu verwechseln mit „IM“, ist aber fast dasselbe..) stimmberechtigt sind. Die „Angeschlossenen“ und „Außerordentlichen“ Mitglieder der GEMA (das sind etwa 85 % ) DÜRFEN dies nämlich nicht - sie müssen leider draussen bleiben! Und das schließlich heisst auf gesamtdeutsch, dass Dr. Motte und seine anderen Nachtflügler die neuen Tarife selbst mit abgewunken haben müssen. Schlitzohriger geht’s kaum.
.
Gegen die GEMA vorzugehen heißt also, gegen Dr. Motte und die anderen Ordentlichen Mitglieder vorzugehen. Damit das klar ist: Es führt auf Dauer kein Weg daran vorbei, die GEMA aufzulösen, resp. diese  Gesellschaft von ihren Mitgliedern komplett zu befreien, d.h. ALLE Mitglieder zu entmachten und ihnen ihr Stimmrecht weg zu nehmen, und die GEMA danach in eine reine Abrechnungsgesellschaft für digitale und analoge künstlerisch autorisierte Veröffentlichungen zu machen. Bezahlt von jedem Bürger durch eine Kulturflatrate. Keine Tarife und keine zusätzlichen Abgaben mehr - nur noch: Alle für Einen und Einer für Alle! Alle Veröffentlichungen werden bloß gemeldet - sofern sie nicht ohnehin im Internet stattfinden. Da bräuchte die GEMA dann nur noch die Klicks abfragen - und wie das geht, weiß sie ja inzwischen auch längst: Aus ihren Streitigkeiten mit YouTube...
Die GEMA erzielt Umsätze laut ihrer eigenen Erklärung von jährlich rund 800 Mio Euro. Davon kann sie 800 Millionäre machen. Oder 100.000 Autoren mit jährlich 8.000 Euro pro Kopf finanzieren.
.
Damit bin ich am Punkt:
Wenn an dieser jetzigen „Petition“ überhaupt irgendwas positiv ist, dann das Signal, dass die Gesellschaft mehr und mehr endlich die Offenlegung des gesamten GEMA-Etats verlangt. Wir wollen wissen, wer was in der GEMA verdient und wer was zahlt. Genauso wie die Managergehälter inzwischen regelmäßig offengelegt werden müssen –
die GEMA ist also unbedingt ein Fall für Transparency International!
.
So, wie sie bislang konstituiert ist, widerspricht ihr System allen demokratischen Grundrechten, indem lediglich 15% ihrer Mitglieder über Tarife und Punktverteilung usw. bestimmen – da muss sich keiner wundern, wenn die GEMA auf diese Weise nichts anderes darstellt als einen gewaltigen Selbstbedienungsladen! Die Ordentlichen Mitglieder schieben sich die Punkte eben selbst in die eigene Tasche. Deshalb wird ja auch alles peinlich geheim gehalten. Aber überhaupt mal: Wie kann man ein derartiges System – wo nicht nur tatsächliche und unabhängig erhobene - also nur richtige - Daten über alle Veröffentlichungen die Grundlage einer Verteilung bilden, weiter derart ermächtigen und mit Inkasso-Rechten ausstatten, die sonst nur Finanzämtern und Gerichtsvollziehern zustehen?
Klar ist jedenfalls, dass bei der GEMA NUR an die Mitglieder verteilt wird, die auch (irgendwas) gemeldet haben. Und das dann auch noch völlig undurchsichtig und ungerecht. Auf diese Weise kommt es zu solchen Absurditäten, wie z.B. dass ein als „Ernste Musik – E-Musik“ produzierender Komponist in seiner Eckkneipe nachfragt, ob der Kneipier nicht ein „Konzert“ mit ihm veranstalten möchte. Er müsse das als "Veranstalter" nur bei der GEMA anmelden, die GEMA-Gebühr in Höhe von 70 Euro bekommt er sofort vom großen Künstler erstattet, damit der Kneipier das auch macht und keine Kosten hat. Das „Konzert“ findet dann etwa so statt, dass ein Zettel im Fenster hängt, der Komponist kommt mit seinem Saxophon oder sowas, setzt sich an den Tresen und guckt, ob jemand guckt während er sich ein Bier nach dem anderen reindrückt, weil sowieso kein Schwein guckt. Danach meldet er der GEMA die – nach Möglichkeit: „Uraufführungen“ seiner E-Musik Kompositionen an und erhält später bei der Jahres-Abrechnung einen meist 4-stelligen Betrag als Ausschüttung für diese eine „Aufführung“…
.
Es hat also bei der GEMA nix mit der Einzahlung zu tun, was – und vor allem wie viel – dann nachher an WEN ausgeschüttet wird.
.
Ich finde daher, dass wir alle eine Petition ins Leben rufen sollten, die die Politiker und die GEMA zwingt, endlich die gesamten Zahlen und alle Namen auf den Tisch zu legen, damit der GEMA – resp. Ihren Mitgliedern – das Heft aus der Hand genommen werden kann.
.
Dafür werde ich mich bei den Piraten – aber auch bei Frau Bestle und vielen anderen - sehr stark einsetzen und hoffe, dass viele von euch bei der Gestaltung mitwirken können. Ich werde nämlich schon von ein paar Leuten aus der GEMA-GeStaPo angegriffen (meine website war zeitweilig von einem Virus infiziert, der alles lahm gelegt hatte – zum Glück ist mein Provider ein Pirat…).
.
Franz de Bÿl
PS: Ich bitte um euer Verständnis, dass ich Kommentare hier nur zulasse, wenn sich der Kommentator mit seinem bürgerlichen Namen anmeldet. Das dient nämlich auch der Transparenz!

Kommentare