Die GEMA und ihre Musikverleger - eine authentische Geschichte von 1970 bis heute

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Viele Menschen denken immer noch grundsätzlich positiv über die GEMA, weil sie eben glauben, dass die GEMA die Rechte der Urheber vertreten würde, damit diese schließlich auch ihren Anteil bekommen usw.usw.
Um diesen Irrglauben auch weiterhin in der Öffentlichkeit aufrechterhalten zu können, gibt die GEMA Jahr für Jahr Unsummen für ihre Hochglanzbroschüren (z.B. "virtuos") und sonstige Imagewerbung aus.
Nach der GEMA-Petition 2009-2010 sind diese "Werbeausgaben" mächtig in die Höhe geschossen. Seitdem sieht sich die GEMA nämlich ständig wachsender und plötzlich auch öffentlicher Kritik ausgesetzt, und muss immer mehr Rechtsanwaltskanzleien beschäftigen und bezahlen, um ihren "laufenden Betrieb" möglichst störungsfrei aufrechterhalten zu können.
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Alle, die mein Blog kennen, wissen natürlich längst, dass ich seit mehr als einem Jahrzehnt zu den lautesten und vielleicht auch erfolgreichsten GEMA-Störern gehöre - zuletzt hat mein Blog über die KiTa-Abzocke der GEMA diese tatsächlich auch nennenswert größere Einbußen gekostet...
Ich bin aber selbst auch Mitglied der GEMA seit 01.01.1972 und zwar so genanntes "angeschlossenes" Mitglied - aber auch Mitglied der VG Wort und vor allem der GVL und des DTKV. Daher kann ich im Unterschied zu den meisten anderen GEMA-Kritikern den Laden sowohl von innen wie von außen begutachten und beurteilen. Und ich habe eine wirklich einschneidende und alle Unklarheiten vollständig beseitigende Erfahrung in Sachen Urheberrecht, Musikverlage, GEMA undundund bereits als 20-jähriger Hippie gemacht, die mir vor 40 Jahren schon das Innere dieses GEMA-Apparates / dieser legalen Strauchdiebe vor Augen führte.
Hier die Geschichte, die bis heute aktuell geblieben ist:
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Ende 1970 erschien eine LP auf Metronome (Kat.-Nr. MLP 15.383), aufgenommen im Audio Ton Studio Berlin, Produktion HANSA Musik (Wolfgang Asam, Tom Müller), erschienen im Musikverlag Edition INTRO, Meisel Verlage GmbH, Wittelsbacher Str. 18, 10707 Berlin - damals zuständig: Peter Meisel (2009 gestorben auf seinem Alterssitz (?!) in den USA) und dessen Bruder Thomas Meisel i.R. / heute zuständig und executiver Rechtsnachfolger: Sven Meisel. Gegründet wurde die Edition Intro von Will Meisel im Jahre 1926, dessen Geschichte und Rolle, die er als NSDAP Mitglied und gnadenlos überzeugter Nazi im 3. Reich gespielt hatte, besondere Aufmerksamkeit verdient.
Die Edition INTRO, Meisel Musikverlage GmbH blickt als Familienbetrieb also auf eine stolze Tradition zurück, und es ist daher sicher auch nicht weiter verwunderlich, wenn heute solche "Künstler" wie Dieter Bohlen - aber auch Gunter Gabriel bis hin zu Frank Zander und Bushido von diesem Verlag direkt oder indirekt vertreten werden (Näheres unter der oben angegebenen website des Verlages). Es ist nicht bekannt, über wieviele weitere Musikverlage Sven Meisel heute bestimmt oder "mit"bestimmt, jedoch dürften es an die 100 Unter- und Nebenverlage sein - man kann sicher sagen, dass er seine Finger überall drin stecken hat. Bis hin zu Sony Music und Universal, EMI oder Warner.
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Zurück zur LP. Es handelt sich um die LP "Franz de Byl & Heiner Hohenhaus", die  illegal und ohne gültigen Verlags- und/oder Plattenvertrag in einer Startauflage von 2-5000 Expl. 1970/1 erschienen ist. Die genaue Geschichte, wenn auch in englischer Sprache, und warum diese häßliche Geschichte mich noch heute verfolgt und quält, lässt sich HIER nachlesen.
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Jedenfalls steht fest: Meisel hatte kein Recht, diese Platte zu publizieren. Nicht mit diesem Cover und erst recht nicht mit den falschen Angaben zu den originären Komponisten und Textdichtern (wen's interessiert: HIER gibt es ein Statement von mir - man muss nur scrawlen bis MLP 15.383).
Damit sind wir wieder bei der GEMA. Der Meisel Verlag hatte nämlich gleichwohl eine Meldung an diese gemacht, dass die "Werke"
Susan, World of Trouble, I Can't Find My Way, Evil, I'd Rather Drink Muddy Water
in sein Verlagsrepertoire aufgenommen und veröffentlicht wurden, und dass die Lizenzen mangels Mitgliedschaft der "Komponisten und Textdichter Franz de Byl & Heiner Hohenhaus" in der GEMA zu 100% an den Verlag ausgeschüttet werden sollen. Dieser kümmere sich danach um entsprechende Weiterleitung der Urheberanteile, ...na, klingelt's schon?
Das nämlich ist des Pudels Kern: Der Verleger hat nicht nur wider besseres Wissen sondern ohne einen Verlagsvertrag sowie ohne Freistellung durch die tatsächlichen Urheber in rein betrügerischer Absicht "Werke" bei der GEMA angemeldet, die dem Verlag NIE ZUSTANDEN.
Er hat seine Lizenzansprüche erschlichen - und die GEMA hat mitgemacht. 40 Jahre lang, wie ich selbst erst vor knapp 2 Jahren erfahren musste.
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Man muss sich das ganze Geschehen noch einmal vor Augen führen: Es wird eine LP in einer Startauflage von 2-5 Tausend Stück auf den Markt geworfen, OHNE überhaupt ein jedes Recht für eine Veröffentlichung zu haben! Heiner und ich waren sprachlos, völlig am Ende (Heiner hat sich in der Folge sogar das Leben genommen) und wir haben nur noch darüber nachgedacht, wie wir jede weitere Veröffentlichung untersagen könnten usw.usw.
Womit wir dann letztlich auch erfolgreich waren - aber die erste Auflage war weg, verteilt, verkauft. Keine Chance, die Platten zurückzuholen!
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Heiner und ich hatten uns nach dieser Erfahrung getrennt, weil wir darüber so sehr in Streit und Misstrauen gerieten und jeder dem anderen die Schuld gab, was natürlich Quatsch war: Eine Schuld und letztlich kriminelle Absicht konnte nur beim Verlag liegen und von diesem ausgehen. Er hat uns einfach hintergangen und dachte wohl, dass wir den Vertrag schon unterschreiben würden...wie doch alle seine anderen "Künstler", besser psychopathische Border Liner und selbstverliebte Exhibitionisten, dies ja auch immer problemlos gemacht hatten...
Also für den Verlag war der ganze Betrug ein völlig normales Tagesgeschäft. Deshalb war Peter Meisel auch absolut irritiert, als insbesondere ich einen solchen Krach gemacht habe und hat dann auch schnell versichert, dass die gesamten Unterlagen vernichtet würden und auch KEINE weitere Pressung usw. erfolgen würde. Danach habe ich nichts mehr von Herrn Meisel gehört. Und ich habe natürlich auch keinen Pfennig an Lizenzen bekommen, was mich aber eben nicht gewundert hatte, da ja die Songs nicht von uns komponiert und/oder getextet waren. Von der GVL hatte ich damals noch nichts gehört und Lizenzen vom Verlag...ist klar, oder?
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Ich hoffe, Ihr seid mitgekommen, denn nachdem ich spätestens 1972 einen Strich unter diese Erfahrung gemacht hatte, weil ich dachte: Das Ding ist jetzt weg und gelaufen und wird nie wieder auftauchen, Heiner ist tot - also legen wir den Mantel des schweigenden Vergessens darüber und blicken nach vorn..., da taucht 40 Jahre später der ganze Dreck wieder auf! Und zwar gepowert durch eine Handvoll Internet-Vollidioten, die mit einer Riesenwerbung und absoluten Phantasiepreisen diese Platte bei so genannten Internet-Marktplätzen anbieten, veröffentlichen und anpreisen, weil mein Name auf der "legendären NWW-Liste" steht!
Jetzt war ich wieder gezwungen, dagegen vorzugehen und musste mir als erstes die gesamten Rechte für diese LP holen, ---alles zurück auf Anfang. Deshalb will ich hier nur die wesentlichen Stationen verkürzt darstellen. Zunächst der Musikverlag: Ich musste in Erfahrung bringen, dass das bei Meisel liegende Schallplattenprogramm der Metronome in der Zwischenzeit mehrfach verkauft wurde und heute bei der Universal liegt. Der damalige Produzent Hansa ist inzwischen bei Sony Music, der Verleger aber weiterhin die Edition Intro, Meisel Verlage. Nun müssen derartige Unterlagen von Rechts wegen eigentlich 50 Jahre lang aufbewahrt werden - also recherchiere ich bei allen Beteiligten, ob sich noch das Master Tape und das Original-Cover-Artwork in irgendwelchen Archiven befindet.
Ergebnis: Nichts zu finden, was ja auch nicht wundert, da alles vernichtet worden sein sollte...
Immerhin kann ich Universal dazu bringen, mir diese Erklärung auszustellen:
http://www.franz-de-byl.de/Blogger/Universal_2009.pdf
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Und hier lassen sich drei Faxe von Herrn Sven Meisel himself nachlesen, aus denen sich die Bunkermentalität dieses ehemaligen Nazi-Verlages in vorbildlicher Weise nachlesen lässt.
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http://www.franz-de-byl.de/Blogger/INTRO/edition_intro1.pdf
http://www.franz-de-byl.de/Blogger/INTRO/edition_intro2.pdf
http://www.franz-de-byl.de/Blogger/INTRO/edition_intro3.pdf
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Gewaltig, oder? Ich bin heute sicher, dass Heiners Unterschrift unter den Verlagsvertrag gefälscht ist - kann ja kaum einer noch nachprüfen...
Aber wie Herr Meisel eine Berechtigung daraus zieht, dass die "Rechte" dem Verlag offenbar eingeräumt werden sollten, ist schon infam, oder?
Jedenfalls gibt er zu, dass die "Werke" seit 1971 als Verlagswerke bei der GEMA gemeldet waren. Dass ich Peter Meisel und allen anderen erklärt hatte, dass die Titel nicht von uns komponiert und getextet - sondern lediglich bearbeitet waren, weshalb wir auch den Verlagsvertrag nicht unterzeichnet hatten, lässt er geflissentlich außen vor...
Er beruft sich vermutlich auf die Gnade der späten Geburt...
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Zurück zur GEMA: An diesem Beispiel lässt sich jedoch sehr bildhaft verdeutlichen, dass die GEMA überhaupt nicht beurteilen und nachvollziehen kann, welche Titel von welchem tatsächlichen Urheber stammen. Sie nimmt nur das auf, was von ihren "Mitgliedern" (insbesondere ihren Verlags-Mitgliedern)  gemeldet wird. Es reicht also eine kleine Änderung in Titel, Tonart oder Sparte - und schon werden irgendwelche Urheber um ihre Komposition gebracht!
Dass die GEMA bis heute nichts von all dem mitbekommen hat, läßt sich z.B. daran erkennen, dass sie ohne jede Beanstandung die gesamten Titel nun als so genannte Manuskriptwerke zu Heiners und meinen Gunsten zurückgestuft hat:
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http://www.franz-de-byl.de/Blogger/INTRO/EdIntro_Titel.pdf
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Ich habe der GEMA jetzt noch keine Mitteilung gemacht, dass die gemeldeten "Werke" seit 40 Jahren unberechtigt und ungesetzlich von der Edition Intro zur Anmeldung gebracht wurden, da ich wissen und beweisen können will, ob und welche Lizenzeinnahmen für diese Titel auch heute noch ausgeschüttet werden.
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Gegen den sauberen Herrn Sven Meisel wird dann sehr bald der Prozess gemacht. Und dann findet diese so hässliche Geschichte vielleicht doch noch ein gutes Ende, bevor ich in die Urne fahre...
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Lied Ende

Kommentare

Bluesmaker hat gesagt…
Hi Franz,

ich streife das Thema GEMA gerade im Zuge einer Reihe über das Urheberrecht und Copyright.

Wenn Du Zeit hast, melde Dich mal bitte (E-Mail im Impressum meines Blogs). Vielleicht könntest Du mich mit der einen oder anderen Information versorgen.

Gruß,
Bluesmaker
Franz de Byl hat gesagt…
Hi Bluesmaker,
habe dir eine mail geschickt, bin allerdings unsicher, ob ich die an den "richtigen" Bluesmaker verschickt habe. also melde dich doch bitte mal per mail an meine Adresse
mailto@franz-de-byl.com
Gruß - Franz