GEMA - KiTas sollen zahlen, was tun? GEMA vs. KiTas, GEMA gegen Kindergärten - Faktencheck


Habe einmal ein ausgedehntes Nachforschungs-Surfing durchs Web in Sachen GEMA & VG Musikedition vs. KiTas unternommen - und im Wesentlichen folgende drei Hauptreaktionen feststellen können:

- blanke Wut und/oder schieres Entsetzen bis hin zu völlig emotionslosem Unverständnis, was in dieser Sache von Springer-Presse bis SPIEGEL und Stern, jeder Menge Tages- und Lokalpresse, aber auch von recht vielen PolitikerInnen nachzulesen ist, wobei sich insbesondere unsere Volksvertreter einmal wieder gewohnt sachunkundig, dafür jedoch stets zutiefst betroffen und ratlos zu dieser Angelegenheit äußerten. Empörte Äußerungen auch von KiTa-MitarbeiterInnen, die nur noch fassungslos stöhnen, dass die Kinder doch gar keine Noten lesen könnten. Warum sollten also Noten kopiert werden? Für wen?

- jede Menge Beiträge von Rechtsanwälten, die das Vorgehen von GEMA und VG MusEd unter Bezug auf einen ollen Paragraphen (§ 53 UrhG) für rechtens erklären und DRINGEND nahelegen, die von der GEMA aufgeschwatzten "Lizenzanträge" anzunehmen und zu unterschreiben. Bei näherem Hinsehen handelt es sich jedoch ausnahmslos um sog. Hausrechtsvertreter, die in den Diensten von GEMA & VG stehen und offenbar gezielt angesetzt worden sind, um etwaige Widersprüche oder Klagen von vornherein zu unterbinden. Aber es wagen sich sogar "Urheber" aus ihrer Plagiats-Deckung und prangern "Tendenziöse Berichterstattung über die GEMA" an. Der erste in der Reihe dieser GEMA-Handlanger und -Profiteure ist ohne jeden Zweifel ein gewisser Maurice Thomás. Alle diese freundlichen Ratgeber vergessen übrigens bei ihren Drohungen und Belehrungen nicht, immer gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass es sich bei diesen 56 Euro ja doch um ein wirklich entgegenkommendes Angebot gemessen an dem Straftatbestand blabla usw.usw....handeln würde.

- und schließlich mehrere Rundbriefe aus den höheren Etagen von Ev. und Kath. Kirche, wie z.B. diesen der Erzdiözese Freiburg oder der EK Kirchenverwaltung, wo die weniger ihrem Gott als viel mehr sich selbst wohl gefälligen Klerumse ihre KiTas zu dem angebotenen Pauschalvertrag einzusammeln und zu überzeugen versuchen.

KEINEM aber fällt auf, dass sich die VG MusEd in geradezu krimineller Verschwörung mit der GEMA eine "neue" Gebühr für eine bereits mehrfach ausgekehrte Leistung erdacht hat. So haben z.B. die christlichen Kirchen als Hauptbetreiber der bundesdeutschen KiTas seit eh und je Pauschalverträge für das "Kopieren von Noten" mit der VG Musikedition abgeschlossen und zahlen längst entsprechend kräftig für ihre Kirchen und Gemeindehäuser an diese "VG Musikedition". Die Diözesane oder kirchlichen Haushaltsdezernenten hätten also nur darauf hinweisen können, dass die KiTas natürlich schon immer genauso unter diesen Pauschalvertrag gefallen sind und waren - selbst wenn diese Tatsache bislang möglicherweise nicht explizit in den bestehenden PauschVerts mit der VG erwähnt worden war! Aber darauf hatte sich die VG Edition und deren sauberer Geschäftsführer Christian Krauß (hier rechts im Bild)
natürlich vorbereitet: Da die VG nie hätte darlegen können, wieso jetzt alle über die bereits verhandelten Verträge hinaus noch einmal neu und zusätzlich zahlen müssten, hat sie sich schlauerweise an die GEMA gewandt, um dadurch eine "neue" Abgabe kreieren und begründen zu können! Dadurch hat jetzt zwar die GEMA das Problem, aller Welt erklären zu müssen, dass es nicht um ein GEMA-Singeverbot, sondern um das Kopieren von Noten...(ich kann's schon nicht mehr hören) geht und die eigentlich zuständige VG Musikedition der GEMA das Inkasso dafür übertragen hätte usw.usw.
aber warum die "eigentlich zuständige" VG gerade DIESE "neue" Abgabe nicht wie alle anderen gleich gearteten auch selbst kassiert, wird nicht erklärt! Alles klar?
Das erinnert mich irgendwie an die Olsen-Bande - mächtig jewaltig, Christian!

Weiter fällt KEINEM auf, dass unter dem "Kopieren und Vervielfältigen" von Noten zum Zeitpunkt der ersten Gesetzesniederschrift des § 53 etwas ganz anderes als das "Fotokopieren" von Noten verstanden worden war. Als "Kopierer" wird übrigens bis heute noch jemand bezeichnet, der dem Komponisten eines Orchesterwerks die Arbeit dadurch erleichtert, indem er die meist wie hingerotzt notierten Originalnotationen in ordentliche Notenschriften mit den dazugehörigen Notenschlüsseln überträgt und als Einzelstimmen wie als Partitur ausführt. Damals eine Riesenarbeit, woraus sich natürlich auch erklärt, warum der Gesetzgeber eine derart hohe Würdigung den Notenschreibern und den Verlagen, die ja die Kosten für den Druck des Notenstiches tragen mussten, entgegenbrachte (im Gesetzestext finden wir deshalb u.a. auch die Bezeichnung "graphische Aufzeichnungen" - als handele es sich um die betenden Hände von Dürer)
...woraus sich vermutlich aber auch erklärt, warum der Gesetzgeber ausdrücklich das "Abschreiben" erlaubte. Wer sich nämlich wirklich diese riesige Mühe machte, sollte nicht als Urheberrechtsverletzer belangt werden. Aus diesem historischen Hintergrund heraus findet sich im zitierten Gesetz verständlicherweise (...denn damals gab's echt noch keine Copyshops!) auch keinerlei Hinweis darüber, ob denn etwa das Fotokopieren einer eigenhändig erstellten Abschrift erlaubt sei...- aber lassen wir das mal.
Wer nun die heutigen digitalen Möglichkeiten und auch nur entfernt die der ComputerNotenschriftSoftware kennt, die schon beim Kauf eines jeden Aldi-Keyboards kostenlos mitgeliefert wird, könnte vielleicht den aufkommenden Verdacht spüren, dass das Notenschreiben und Transponieren heutzutage schlicht "Der Brüller" ist. Man spielt einfach den Song auf dem Keyboard und der Computer schreibt die Noten dabei mit - druckreif. Zumindest bei Kinderliedern und Pop-Songs Marke Dieter Bohlen oder Stefan Raab geht das aufgrund der Simplizität der Melodien, Harmonien und Metren auch auf dem Aldi völlig problemlos...
Will man etwas korrigieren oder in eine andere Tonart/Stimme übertragen, oder den Text darüber schreiben oder ändern usw.usw. - alles überhaupt kein Problem, Kollege Computer übernimmt...!
Umgekehrt übrigens auch: Man legt ein Notenblatt auf den Scanner, der PC liest das ein und schreibt eine völlig neue und komplett editierbare Datei. Scannen ist auf diese Weise also auch nicht "Kopieren", sondern eben "Abschreiben". Der Scanner kann das Blatt nämlich nur "ansehen" - die PC-Software aber erkennt es dann und schreibt es neu. Es dürfte unmöglich sein, dies zu verbieten...
Und dann noch der Knaller: Im Internet gibt es alle diese KiTa-Songs, teilweise sogar in Formaten, bei denen man bereits für Gitarre oder Piano online transponieren und ausführen kann incl. Akkordtabellen usw., zum Runterladen und Ausdrucken völlig legal. Oder aber auch zum "selbst komponieren" (z.B. bei "scorio")! Wenn die VG Musikedition ein Recht hätte, das "Kopieren und Vervielfältigen von Noten" als illegal und abgabepflichtig ahnden zu können, würde das doch wohl kaum möglich sein, oder? Ich verweise in diesem Zusammenhang auf mein erstes Blog in dieser Sache

Schließlich fällt wieder einmal NIEMAND auf, dass diese letzte bundesdeutsche Kaste, die sich GEMA nennt, sich doch längst selbst ad absurdum geführt hat. Ich will hier nur daran erinnern, dass noch nie jemand danach gefragt hat, wieviel denn etwa die Produktivkraft der bundesdeutschen Komponisten und Textdichter überhaupt ausmacht? Genau! Das hängt - wie bei allen anderen Dingen nur davon ab, wieviel für diese Leistung bezahlt wird. Die Zeiten, in denen man gezwungenermaßen Noten, Platten oder Musikkassetten kaufen musste, sind lange vorbei. Die GEMA erhebt dennoch weiter ihre Zwangsabgaben und erzielt damit einen milliardenschweren Jahresumsatz. Soweit besteht sicher Einigkeit.
Fragt man aber, was mit dem ganzen Geld geschieht, das ja doch im Namen und Auftrage der "Urheber" einkassiert wurde, muss man leider realisieren, dass nur die ORDENTLICHEN Mitglieder der GEMA über die Verteilung dieser Umsätze entscheiden. DIE GEMA IST EIN SELBSTBEDIENUNGSLADEN! Da ich aber zu diesem Thema bereits jede Menge abgelassen und gebloggt habe, verweise ich auf alle meine vorangegangenen Blogs - Ihr müsst nur runter scrawlen.
Diesen aktuellen Link will ich aber noch empfehlen:
http://www.kult-werk.de/

Bitte lasst euch nicht auf diesen Lizenzantrag ein - ihr braucht nichts zu bezahlen und macht euch auch nicht irgendwelcher Urheberrechtsverletzungen schuldig und ihr habt nichts zu befürchten!
Sollte die GEMA nachfragen und drohen, schreibt zurück, dass ihr im Sinne der VG Musikedition-Anspruchsstellung noch nie Noten kopiert und/oder vervielfältigt habt und das auch in Zukunft nicht tun werdet, weil es nicht gebraucht wird. Alle Ansprüche werden deshalb zurückgewiesen.
PS: Wenn ihr aber schon unterschrieben habt, müsstet ihr regelmäßig diese Aufstellung/Musikfolge ausfüllen und an die GEMA schicken...
Wundert euch aber nicht, wenn ihr trotz aller Androhungen der GEMA-Handlanger nichts von der GEMA hören werdet, falls ihr das nicht tut. Das alles will die GEMA nämlich gar nicht wissen und sie rechnet auch überhaupt nicht damit - ist viel zu viel Bürokratie und macht nur Stress. Stellt euch vor, alle 50.000 Kindergärten...
Die GEMA wird sich aber sofort melden, wenn ihr plötzlich nicht mehr zahlt. Ansonsten freuen sich die Ordentlichen Mitglieder über diese neuen und schönen Einnahmen. Deshalb am besten erst gar nicht unterschreiben, aus dem Vertrag wieder rauszukommen, ist viel, viel schwieriger, weil ihr dann quasi schon eingeräumt und zugegeben habt, dass ihr im Sinne des Anspruches Noten in eurer KiTa kopiert und vervielfältigt, selbst wenn das nie so war.
In solchen Fällen könnt ihr nur noch widerrufen.

Das war jetzt keine Rechtsberatung sondern ein guter Rat!


HG Franz

Franz de Byl
Musiker & Musiklehrer
Goethestr. 16A
10625 Berlin
49-30-8611000
http://www.franz-de-byl.com

PS: Und Hier noch DAS Video zum Thema:

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